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Monat: Juli 2019

Warum wir einen Content Style Guide brauchen

Wie ein Dresscode für die eigene Website: der Content Style Guide

Morgens, kurz vor neun Uhr, in Graz: Das erste Studienwochenende steht kurz vor dem Beginn. Ich bin bereits am Vorabend angereist, habe eine angenehme Nacht im Hotel verbracht und stehe nun an der Wursttheke des nächstgelegenen Supermarktes, um mir ein Frühstück zu kaufen.

„Zwei belegte Brötchen mit Schinkenwurst, bitte!“
„—???—„
„Ich meine, zwei Semmeln bitte, mit dieser Wurst dort belegt.“
„Die heißt bei uns Extrawurst!“
„Vielen Dank, das wusste ich nicht!“

Eine kleine Randepisode über Sprache. Klar, ich hätte mir denken können, dass die Wurstsorte in der Steiermark völlig anders heißt als in Westfalen. Allein schon in Deutschland gibt es den Aufschnitt unter den Namen Schinkenwurst, Kinderwurst, Fleischwurst, Lyoner, Mortadella, und vermutlich noch unter ein paar Namen mehr.

Wenn jeder macht, was er will, ist das kontraproduktiv.

Beim Frühstück mag es noch angehen, dass wir für ein und dasselbe Produkt verschiedene Bezeichnungen verwenden, beim Website-Content ist es eher kontraproduktiv, wenn jeder macht, was er will.

Die einen schreiben Katholische Kirche groß, die anderen klein, die einen möchten gerne VERSALIEN verwenden, um bestimmte Begriffe hervorzuheben, die anderen eher kursive Schrift oder Fettungen. Manche Autoren liefern ganze Romane für die Website ab und bestehen darauf, dass bloss kein einziger Buchstabe gekürzt werde, sonst sei der ganze Sinn dahin. Wieder andere begnügen sich mit ein paar kargen Spiegelstrichen.

„[…] Disparities, especially, if they’re viewed as inauthentic or misleading — can be significant enough to lose visitors and customers.“

Julia Byrd

Dabei sollte es doch eigentlich so sein, dass wir beim Bistum Münster mit einer einheitlichen Sprache auftreten, ebenso wie wir das in der grafischen Umsetzung unseres Corporate Designs auch schon tun. Das bedeutet nicht, dass die Texte inhaltlich alle „rundgelutscht“ sein müssen, aber sie sollten so aussehen und geschrieben sein, dass die Nutzer sie a) gut verstehen und sie b) den Eindruck bekommen, dass die Website „aus einem Guss“ ist. Denn inkonsistenter Inhalt, so schreibt z.B. Julia Byrd, kann dazu führen, dass man User verliert.

Um das zu verhindern, bedienen sich mittlerweile viele Firmen und Institutionen eines Content Style Guides. In ihm wird festgelegt, wie auf der Website kommuniziert werden soll: Wie lang soll ein Artikel in etwa sein? Wie geht man mit Abkürzungen um? Welche Hervorhebungen sind erlaubt, welche nicht? Wie ist der allgemeine Tonfall, werden die Nutzer beispielsweise direkt angesprochen? Und wenn ja, werden sie geduzt oder gesiezt?

Eine umfangreiche Sammlung von Style Guides, darunter auch viele aus dem Content-Bereich, findet sich in den Website Style Guide Resources. Hier habe ich mir einige Anregungen für die eigene Arbeit geholt: Ein Content Style Guide für unsere eigene Website des Bistums Münster ist bereits in Vorbereitung.

Damit es Extrawürste künftig nur noch beim Frühstück und nicht mehr auf der Website gibt. 😉