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Monat: Januar 2020

Basiswissen Content-Strategie

Diese beiden Bücher sind für alle hilfreich, die sich mit Content beschäftigen

Bild zeigt die beiden Bücher "Die Content-Revolution im Unternehmen" und "Think Content!"
Für mich die beiden Standardwerke im deutschprachigen Raum zum Thema „Content-Strategie“.

Je tiefer ich mich in das Abenteuer „Content-Strategie-Studium“ hineinbegebe, desto schwerer wird mein Bücherregal. Auch, wenn es am Anfang so aussah, als sei Content Strategy etwas sehr exotisches, muss ich doch feststellen, dass die Menge an Literatur, die es zu diesem Thema und seinen Teilbereichen gibt, enorm ist.

Da gibt es Bücher über Informationsarchitektur, über Content Management, über Texten und Storytelling, über Suchmaschinenoptimierung, User Experience Design und noch vieles, vieles mehr. Das meiste davon geht sehr in die Tiefe und vieles davon ist noch dazu auf Englisch erschienen. Vielleicht mache ich demnächst mal eine thematisch sortierte Liste als separaten Blogpost.

An dieser Stelle soll es allerdings um die beiden Bücher gehen, die ich Leuten empfehle, die sich erst mal einen Überblick verschaffen wollen. Beide Werke darf man im deutschsprachigen Raum mittlerweile mit Fug und Recht als Standardwerke zum Thema Content bezeichnen: Die Rede ist von „Die Content-Revolution im Unternehmen“ von Eck/Eichmeier und „Think Content“ von Löffler/Michl.

Eck/Eichmeier: „Die Content-Revolution im Unternehmen“

Klaus Eck und Doris Eichmeier haben 2014 meines Wissens nach als erste versucht, den Content-„Hype“, wie sie es nennen, in deutscher Sprache zu beschreiben und einzuordnen. Die immer größer werdende Diversifizierung der Kommunikationskanäle, das veränderte Nutzungsverhalten der Medienkonsumenten, schwindende Loyalitäten von Kunden und eine veränderte, digitalisierte „Customer Journey“, all das führen sie als Gründe an, dass „klassische“ Marketing- und Kommunikationsinstrumente sich als nicht mehr ausreichend für die Positionierung eines Unternehmens am Markt herausgestellt haben. „Womöglich ist [Content] der entscheidende Wettbewerbsvorteil, um Kunden und andere Stakeholder (etwa potenzielle Bewerber) in diesen schwierigen Zeiten zu überzeugen“, schreiben sie in ihrem einleitenden Kapitel.

Eck und Eichmeier führen im weiteren nicht nur aus, warum Unternehmen (und selbstverständlich gilt das ebensofür andere Organisationen) dringend eine konsistente Content-Strategie benötigen. Sie geben auch einen Überblick darüber, wie eine solche Strategie aufgebaut werden kann: Von der Analysephase über den Aufbau von Strukturen und Prozessen und mögliche Content-Arten bis hin zu Content-Marketing und Storytelling.

Um also eine Einführung in das Thema zu bekommen, bietet sich die „Content-Revolution im Unternehmen“ hervorragend an.

Löffler/Michl: „Think Content“

Wer noch ein bisschen weiter in die Tiefe vorstoßen will, und zu bestimmten Themen konkrete Umsetzungsempfehlungen benötigt, greift zu „Think Content“. Für mich war die Erstauflage 2017 sozusagen die „Einstiegsdroge“ ins Thema Content-Strategie. Ich war zu der Zeit gerade verantwortlich für den Relaunch unserer Website und auf der Suche nach Inspiration, wie ich das Projekt am Besten angehen könne. Es stellte sich heraus, dass „Think Content“ genau die Fragen stellte, die in dieser Phase für mich relevant wurden: Wer hat eigentlich den Überblick und die Kontrolle über unsere Inhalte? Wie bewerte ich die Qualität unserer bisherigen Inhalte? Nach welchen Kriterien wird alter Content archiviert? Und mancher Hinweis ist mir allein schon deshalb im Gedächtnis geblieben, weil er die Situation, in der ich mich befand, exakt auf den Punkt brachte: „Jeder überflüssige Satz muss raus, jeder Abschnitt ohne relevante Informationen wurde umsonst geschrieben, jeder Text, der nicht überzeugt, hat sein Ziel verfehlt!“ Kurzum: Die Lektüre dieses Werkes hat mich in meiner Professionalität ein gutes Stück nach vorne gebracht und zudem den entscheidenden Hinweis gegeben, dass man sich mit dem Thema auch im Rahmen eines berufsbegleitenden Masterstudiengangs intensiver auseinandersetzen kann.

Seit wenigen Tagen liegt die überarbeitete Neuauflage auf meinem Tisch. Viel habe ich noch nicht darin lesen können, aber einige Neuerungen fallen durchaus auf. Während die erste Auflage sich sehr um die Website als Hauptkanal der Content-Verteilung drehte, weiten Miriam Löffler und Irene Michl diesmal die Perspektive und machen deutlich, dass es natürlich sehr viele weitere Kanäle gibt, die man im Rahmen einer umfassenden Content-Strategie nicht aus dem Blick verlieren sollte. Konsequenterweise gehen sie deshalb im Kapitel „Content-Formate und -Produktion“ auch auf inhaltliche Formate wie Fotos, Video oder Sprach-Content ein. Größeren Raum als vorher nimmt auch die Beschäftigung mit dem strategischen Teil des Begriffspaares Content-Strategie ein, also mit Vokabeln wie Zielgruppen, Ziele und Marke. Ohne dass ich das fast 700 Seiten starke Werk schon intensiv durcharbeiten konnte, sind mir beim Durchblättern und Anlesen bereits viele Modelle und Konzepte aufgefallen, die bereits im Rahmen des Studiums in der einen oder anderen Lehrveranstaltung behandelt worden waren. Zum Beispiel das Konzept des Sales-Funnel, das mir, aus der klassischen Öffentlichkeitsarbeit kommend, vor dem Studium ebenso gänzlich unbekannt war, wie dessen Weiterentwicklung, das von Doris Eichmeier entwickelte „Content-Sonnensystem“.

„Think Content“ gehört für mich ebenso wie die „Content-Revolution“ zu den absoluten Standardwerken im Themengebiet. Vor allem sind es aus meiner Sicht die beiden Bücher, die das Thema im deutschsprachigen Raum am besten abbilden und sich dabei gut ergänzen: Eichmeier und Eck bieten dabei die Grundlagen und die Einordnung in einen größeren Kontext an, Löffler und Michl vertiefen diese Grundlagen und brechen sie auf die Ebene konkreter Handlungsempfehlungen herunter. An beiden Werken kommt man nicht vorbei, wenn man sich mit Content beschäftigt. Gut so!

Barcamps: Lernen und Netzwerken

Teilnehmende eines Barcamps in Orlando – hier offenbar tatsächlich in einer Bar.
Foto: Josh Hallett from Winter Haven, FL, USA [CC BY-SA]

Ja, ich gestehe: Ich bin ein Barcamp-Fan.
Bei keiner anderen Veranstaltungsform kommt man so ungezwungen miteinander ins Gespräch wie auf Barcamps, bei kaum einer anderen Veranstaltungsform nimmt man so viel an Wissen mit wie auf Barcamps.

Das Prinzip ist einfach: Man geht auf eine Konferenz, die keine ist. Man weiß nicht im Vorfeld, wer die Vorträge halten wird und worüber. Erst zu Beginn der Veranstaltung stellen die Teilnehmenden in einem sogenannten „Session-Pitch“ ihre Ideen für einen Vortrag, einen Workshop oder eine Gruppendiskussion vor. Das macht jedes Barcamp zu einer kleinen Wundertüte. 🙂

Noch ist die Sessionliste leer…
Foto: Marco Verch/flickr [CC BY 2.0]

Es bedeutet aber auch, dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer eingeladen ist, die eigenen Ideen vorzustellen. Manche bringen tolle Präsentationen mit, stellen selbst entwickelte Konzepte für etwas vor, andere haben vielleicht einfach nur eine Frage oder eine Diskussionsidee, die sie in den Raum stellen. Die unterschiedlichen Iden und Formate sorgen dafür, dass es eine bunte Auswahl von Themen gibt, für die man sich im Laufe eines Barcamps als Teilnehmer entscheiden kann. Und wenn man sich dann doch „vergriffen“ hat, dann nimmt es einem keiner krumm, wenn man leide den Raum verlässt und eine andere Session aufsucht. Hier ist alles im Fluss, und alle sind gleichberechtigt. Das macht sich unter anderem daran bemerkbar, dass auf Barcamps grundsätzlich alle per Du sind. Von der Vorstandsvorsitzenden bis zum Azubi, die Hierarchien verschwinden.

Mein erstes Barcamp dürfte ein vor ein paar Jahren in Stuttgart gewesen sein, im Rahmen der alljährlichen „Kirche im Web“-Tagung. Mit der Zeit wurden die Camps, die ich besuchte, größer und gleichzeitig spezifischer. Mein Lieblingscamp ist das Content Strategy-Camp (#Cosca) in Dieburg. Das besondere daran: Hier trifft sich alles, was in Deutschland im Bereich Content Strategy Rang und Namen hat: Alte Hasen und Branchen-Insider, von denen man manchen wertvollen Tipp bekommen kann. Durch die Anbindung an den Studiengang Online-Kommunikation der Hochschule Darmstadt tummeln sich aber auch viele hochmotivierte Nachwuchskräfte bei dieser Veranstaltung. Eine Mischung, die sehr gut harmoniert.

Die Sessions sind so vielfältig und interessant, dass man eigentlich immer die Sorge hat, im Hörsaal nebenan könnte jemand noch etwas Spannenderes erzählen als die Referentin oder der Referent, dem man selbst gerade aufmerksam zuhört. In den vergangenen zwei Jahren habe ich hier einiges darüber gelernt, wie man Content Audits durchführt, nach welchen Kriterien man bei einem Web-Projekt sein CMS auswählen sollte, wie die Frankfurter Polizei Social-Media-Arbeit betreibt oder welche Chancen es bietet, wenn sich Unternehmen mit den digitalen Biografien ihrer eigenen Mitarbeitenden auseinandersetzen. Nicht zuletzt habe ich gehört, welchen Hürden und Herausforderungen der Kollege sich zu stellen hatte, der vor kurzem den großen Web-Relaunch der Hochschule Frankfurt durchgeführt hat. Manche Punkte kamen mir seltsam bekannt vor. 😉

Mindestens ebenso wichtig wie die Sessions sind bei einem Barcamp die Pausen. Bei einem Kaltgetränk oder Kaffee kommt man mit den anderen Teilnehmenden zwanglos ins Gespräch, tauscht Erfahrungen (und LinkedIn-Kontaktdaten) aus. Gerade beim Content Strategy-Camp ist die Atmosphäre sehr familiär. Und wenn das Wetter es gut meint, trifft man sich abends hinter der Hochschule zum gemeinschaftlichen Grillabend.

Zwei Tipps für Barcamp-Newbies:

Erstens: Geht hin, macht mit, bringt euch ein! Ihr könnt nichts verkehrt machen, also habt ihr auch nichts zu verlieren. Man muss ja nicht gleich beim allerersten Barcamp eine Session anbieten. Reinschnuppern geht natürlich auch. Aber: ein Barcamp lebt davon, dass möglichst viele sich beteiligen und ihre eigenen Erfahrungen einbringen.

Zweitens: Nehmt euch nicht zu viel vor! Es ist überhaupt nicht schlimm, mal eine Session sausen zu lassen und stattdessen draußen eine Runde Sonne zu genießen! Und wenn man dann noch nette Gesellschaft dabei hat, mit der man sich gut unterhalten kann: um so besser!
Ich habe beim letzten #Cosca übrigens den Kardinalfehler gemacht und gleich zwei Sessions angeboten. Damit habe ich die Zahl der Sessions, die zeitgleich liefen und die ich deshalb NICHT besuchen konnte, auf einen Schlag verdoppelt. Doof, das. Passiert mir sicher kein zweites Mal. 😉

Auf welchen Barcamps ihr mich 2020 auf alle Fälle finden könnt:

#MSCamp, Münster (14./15. Februar)
Das Barcamp für Kommunikatoren in und um Münster. Klein, aber oho!

#Coscamp, Graz (7. März)
Das Content-Strategy-Camp in Österreich. Ohne Grillabend, aber dafür mit legendärem selbstgemachten Brotaufstrich. Und inhaltlich selbstverständlich ganz weit vorne, mit allen Content-Strategy-Experten Österreichs.

#Cosca, Dieburg (25./26. September)
Mehr außer „geht hin“ kann ich dazu wirklich nicht mehr schreiben…