Zum Inhalt springen

Monat: Januar 2020

Barcamps: Lernen und Netzwerken

Teilnehmende eines Barcamps in Orlando – hier offenbar tatsächlich in einer Bar.
Foto: Josh Hallett from Winter Haven, FL, USA [CC BY-SA]

Ja, ich gestehe: Ich bin ein Barcamp-Fan.
Bei keiner anderen Veranstaltungsform kommt man so ungezwungen miteinander ins Gespräch wie auf Barcamps, bei kaum einer anderen Veranstaltungsform nimmt man so viel an Wissen mit wie auf Barcamps.

Das Prinzip ist einfach: Man geht auf eine Konferenz, die keine ist. Man weiß nicht im Vorfeld, wer die Vorträge halten wird und worüber. Erst zu Beginn der Veranstaltung stellen die Teilnehmenden in einem sogenannten „Session-Pitch“ ihre Ideen für einen Vortrag, einen Workshop oder eine Gruppendiskussion vor. Das macht jedes Barcamp zu einer kleinen Wundertüte. 🙂

Noch ist die Sessionliste leer…
Foto: Marco Verch/flickr [CC BY 2.0]

Es bedeutet aber auch, dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer eingeladen ist, die eigenen Ideen vorzustellen. Manche bringen tolle Präsentationen mit, stellen selbst entwickelte Konzepte für etwas vor, andere haben vielleicht einfach nur eine Frage oder eine Diskussionsidee, die sie in den Raum stellen. Die unterschiedlichen Iden und Formate sorgen dafür, dass es eine bunte Auswahl von Themen gibt, für die man sich im Laufe eines Barcamps als Teilnehmer entscheiden kann. Und wenn man sich dann doch „vergriffen“ hat, dann nimmt es einem keiner krumm, wenn man leide den Raum verlässt und eine andere Session aufsucht. Hier ist alles im Fluss, und alle sind gleichberechtigt. Das macht sich unter anderem daran bemerkbar, dass auf Barcamps grundsätzlich alle per Du sind. Von der Vorstandsvorsitzenden bis zum Azubi, die Hierarchien verschwinden.

Mein erstes Barcamp dürfte ein vor ein paar Jahren in Stuttgart gewesen sein, im Rahmen der alljährlichen „Kirche im Web“-Tagung. Mit der Zeit wurden die Camps, die ich besuchte, größer und gleichzeitig spezifischer. Mein Lieblingscamp ist das Content Strategy-Camp (#Cosca) in Dieburg. Das besondere daran: Hier trifft sich alles, was in Deutschland im Bereich Content Strategy Rang und Namen hat: Alte Hasen und Branchen-Insider, von denen man manchen wertvollen Tipp bekommen kann. Durch die Anbindung an den Studiengang Online-Kommunikation der Hochschule Darmstadt tummeln sich aber auch viele hochmotivierte Nachwuchskräfte bei dieser Veranstaltung. Eine Mischung, die sehr gut harmoniert.

Die Sessions sind so vielfältig und interessant, dass man eigentlich immer die Sorge hat, im Hörsaal nebenan könnte jemand noch etwas Spannenderes erzählen als die Referentin oder der Referent, dem man selbst gerade aufmerksam zuhört. In den vergangenen zwei Jahren habe ich hier einiges darüber gelernt, wie man Content Audits durchführt, nach welchen Kriterien man bei einem Web-Projekt sein CMS auswählen sollte, wie die Frankfurter Polizei Social-Media-Arbeit betreibt oder welche Chancen es bietet, wenn sich Unternehmen mit den digitalen Biografien ihrer eigenen Mitarbeitenden auseinandersetzen. Nicht zuletzt habe ich gehört, welchen Hürden und Herausforderungen der Kollege sich zu stellen hatte, der vor kurzem den großen Web-Relaunch der Hochschule Frankfurt durchgeführt hat. Manche Punkte kamen mir seltsam bekannt vor. 😉

Mindestens ebenso wichtig wie die Sessions sind bei einem Barcamp die Pausen. Bei einem Kaltgetränk oder Kaffee kommt man mit den anderen Teilnehmenden zwanglos ins Gespräch, tauscht Erfahrungen (und LinkedIn-Kontaktdaten) aus. Gerade beim Content Strategy-Camp ist die Atmosphäre sehr familiär. Und wenn das Wetter es gut meint, trifft man sich abends hinter der Hochschule zum gemeinschaftlichen Grillabend.

Zwei Tipps für Barcamp-Newbies:

Erstens: Geht hin, macht mit, bringt euch ein! Ihr könnt nichts verkehrt machen, also habt ihr auch nichts zu verlieren. Man muss ja nicht gleich beim allerersten Barcamp eine Session anbieten. Reinschnuppern geht natürlich auch. Aber: ein Barcamp lebt davon, dass möglichst viele sich beteiligen und ihre eigenen Erfahrungen einbringen.

Zweitens: Nehmt euch nicht zu viel vor! Es ist überhaupt nicht schlimm, mal eine Session sausen zu lassen und stattdessen draußen eine Runde Sonne zu genießen! Und wenn man dann noch nette Gesellschaft dabei hat, mit der man sich gut unterhalten kann: um so besser!
Ich habe beim letzten #Cosca übrigens den Kardinalfehler gemacht und gleich zwei Sessions angeboten. Damit habe ich die Zahl der Sessions, die zeitgleich liefen und die ich deshalb NICHT besuchen konnte, auf einen Schlag verdoppelt. Doof, das. Passiert mir sicher kein zweites Mal. 😉

Auf welchen Barcamps ihr mich 2020 auf alle Fälle finden könnt:

#MSCamp, Münster (14./15. Februar)
Das Barcamp für Kommunikatoren in und um Münster. Klein, aber oho!

#Coscamp, Graz (7. März)
Das Content-Strategy-Camp in Österreich. Ohne Grillabend, aber dafür mit legendärem selbstgemachten Brotaufstrich. Und inhaltlich selbstverständlich ganz weit vorne, mit allen Content-Strategy-Experten Österreichs.

#Cosca, Dieburg (25./26. September)
Mehr außer „geht hin“ kann ich dazu wirklich nicht mehr schreiben…