Zum Inhalt springen

Monat: März 2020

Mit Essen spielt man nicht – aber man kann etwas dabei lernen

Unsere Erfahrungen bei der „Marshmallow Challenge“

Eine der interessantesten, witzigsten und zugleich lehrreichsten Sessions des vergangenen Content-Strategy-Semesters hatten wir im Fach „Projektmanagement“. Unser Dozent Stefan Pollach erläuterte uns nicht nur verschiedene agile Projektmethoden wie Scrum oder Kanban, er stellte uns auch vor eine besondere Herausforderung: die „Marshmallow Challenge“.

Worum geht es da? Teams aus jeweils fünf Personen sollen innerhalb von 18 Minuten ein Gebilde aus 20 rohen Spaghetti erschaffen, das von einem Marshmallow gekrönt ist. Wer die höchste Struktur erreicht, gewinnt den Wettbewerb. Aber nur, wenn das Gebilde auch stehen bleibt, also eine gewisse Standfestigkeit besitzt.

Um das zu erreichen, bekommen die Teilnehmenden noch ein paar weitere Ausrüstungsgegenstände: einen Meter Paketschnur, einen Meter Kreppklebeband und natürlich eine Schere.

Unser „Marshmallow“-Turm in der Bauart „Giraffe“.

Ich darf mit einigem Stolz behaupten, das unsere Gruppe am Ende der 18 Minuten den höchsten Turm zustande gebracht hatte. Immerhin 72 Zentimeter, wenn ich mich richtig erinnere. Wie haben wir das geschafft? Drei wichtige Learnings sind bei mir hängen geblieben:

1. Nicht lange schnacken, einfach machen!

Unser Team hat sich nicht lange mit unnötigen Diskussionen aufgehalten. Wir brauchten keinen internen Debattierklub, um zu klären, wer von uns welche Rolle einnimmt. Stattdessen haben wir verschiedene Entwürfe einfach mal ausprobiert. Die ersten zwei, drei Ideen sind krachend gescheitert, aber nach kürzester Zeit hatten wir den Dreh raus und eine Vorstellung davon, was Erfolg verspricht.
Im Zweifel gelangt man über das Testen von Ideen und Hypothesen, über das Ausprobieren, Verwerfen und Neubeginnen schneller zum Ziel als mit endlosen Planungs- und Diskussionsrunden.

2. Arbeit sinnvoll aufteilen!

Es hat sich schnell gezeigt, dass es Blödsinn ist, wenn alle für sich versuchen, ihre Ideen umzusetzen. Wenn sich jeder vier Spaghetti genommen hätte, hätten wir am Ende vielleicht fünf wunderschöne kleine Nudeltürmchen bekommen, aber das gesetzte Ziel eben deutlich verfehlt. Nachdem nach den ersten Tests klar war, in welche Richtung unsere Konstruktion gehen würde, war auch klar, was wir dafür brauchen würden. So konnten zwei Mitglieder des Teams schon einmal im Hintergrund die benötigten Streifen an Kreppband und Schnur abmessen und zurechtschneiden.
Wenn man sich die Arbeit sinnvoll aufteilt, werden alle zur Verfügung stehenden Ressourcen (Zeit, Arbeitskraft und Produktionsmittel) am effizientesten eingesetzt.

3. Um die Ecke denken!

Im Vergleich zu den anderen Gruppen konnten wir auf die doppelte Länge Klebeband zurückgreifen und somit unsere Konstruktion an vielen potenziellen Schwachstellen stabilisieren. Woher wir diese doppelte Länge hatten? Wir haben einfach festgestellt, dass das Klebeband breit genug war, um es zunächst der Länge nach in zwei Hälften zu schneiden. Der verschmerzbare Verlust an Breite wurde durch das Gewinnen der doppelten Länge mehr als aufgewogen. Am Ende hatten wir sogar noch Klebeband über, das wir noch an besonders „gefährdeten“ Stellen unserers Gebildes einsetzen konnten.
Wenn man bereit ist, um die Ecke zu denken und Lösungswege auszuprobieren, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen, verschafft einem das gegenüber dem „traditionellen“ Wettbewerb einen deutlichen Vorteil.

Zumindest die beiden ersten Learnings decken sich mit den Erfahrungen, die Tom Wujec bei einem Ted-Talk im Jahr 2010 präsentiert hat. Demnach sind die Spaghettitürme von Kindergartenkindern wesentlich höher (und auch interessanter konstruiert) als die von BWL-Studenten. Warum? Weil die Kids eben lustig drauflos experimentieren und sich nicht lange mit einer Debatte um Kompetenzen aufhalten. Und weil sie nicht den einen, einzig wahren Ansatz verfolgen, sondern ausprobieren und wenn nötig verändern.

Insofern scheinen wir instinktiv mit unserer Kindergarten-Methodik sehr viel richtig gemacht zu haben. Auch wenn meine frühere Erzieherin uns bestimmt ermahnt hätte: „MIt Essen spielt man nicht!“, haben wir bei diesem Spiel eine Menge über uns und über Zusammenarbeit im Team gelernt.